Viele Modehäuser rufen heutzutage umweltfreundliche ‚Fair Trade‘ Labels oder eben nachhaltige Produktlinien ins Leben. Der noble Vorsatz etwas Gutes zu tun (und damit nebenbei Geld zu verdienen), trifft jedoch selbst bei einer seriösen Umsetzung allzu oft auf die paradoxe, verwirrende Realität der Nachhaltigkeitsinitiativen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Modebranche trägt enorm zur Umweltbelastung bei. Sie ist nach der Verpackungsindustrie jene Branche mit dem höchsten Anteil an Plastikabfall, rund 38‘000‘000 Tonnen waren es weltweit allein im Jahr 2015. Diese schwer fassbare Menge lässt sich mit dem Vormarsch synthetischer, nicht-abbaubarer Materialien erklären, von Nylon über Acryl bis hin zu Polyester. Um dieses Problem zu lösen, setzen nachhaltige Modelabels meist auf natürliche, biologisch abbaubare Stoffe, wie z.B. Baumwolle, Schurwolle oder Seide.

Obschon das Sinn macht, klopfen bald die ersten Zweifel an die Tür: Was ist mit dem enormen Wasserverbrauch für die Baumwollplantagen? Fehlt dadurch nicht wertvolles Wasser für die lokale Bevölkerung und Tierwelt? Und wo wir gerade dabei sind: Was ist mit dem Wohl der Schafe und Ziegen, die eingepfercht geschoren werden? Es braucht viel Zeit und Mühe, diesen Konflikt aufzulösen, und selten ist die Auflösung auf Anhieb perfekt.

Ein anderes Beispiel ist die Förderung lokaler Handwerker und Künstler in Entwicklungsländern. Vielleicht werden ihre Werkstücke tatsächlich zu fairen Preisen eingekauft, und vielleicht eröffnet dies den lokalen Gemeinschaften durchaus einen Zugang zu neuen Kunden und einen Weg aus der Armut. Doch die gute Sache bekommt einen bitteren Beigeschmack, sobald man ausrechnet, wie viel CO2-Emissionen erzeugt werden beim Transport zwischen den Ländern. Auch hier gibt es mit der Klimakompensation einen Lösungsansatz – mit ganz eigenen Fallstricken.

Unternehmen und Konsumenten müssen akzeptieren, dass das, was heute nachhaltig erscheint, morgen kritisch hinterfragt werden kann. Der denkbar schlechteste Ausweg aus der Misere wäre es jedoch, sich entmutigen zu lassen und im Zweifelsfall auf die Herstellung und den Konsum nachhaltiger Produkte zu verzichten. Jeder Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, auch wenn er nicht perfekt ist, leistet einen Beitrag. Nur wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und lernt, hilft mit, innovative Lösungen zu finden und das Problembewusstsein zu schärfen. Und von den vielen einzelnen Schritten in die richtige Richtung hängt es schliesslich ab, wie lange uns der Planet noch Zeit gibt, diesen wichtigen Weg zu begehen.